#10 Das 'Neue' im Alten

Die Einzelschule weiterentwickeln – das ist nicht zuletzt bildungspolitisches Programm nach dem „PISA-Schock“. Und die „eigenständige Schule“ Hoffnungsträgerin in der Schulqualitätsdebatte. Die eigene Einrichtung weiterzuentwickeln, Probleme vor Ort flexibel zu lösen – das bedarf der Planung und Steuerung. Wie können diese Entwicklungsprozesse gestaltet und durch Strukturen abgesichert werden? Schulentwicklung ist ein lustvolles Feld, das Mut zum Experimentieren und einen langen Atem braucht. Dass sich diese Mühe lohnt, beweisen nicht zuletzt die drei in dieser Bildungsnotiz vorgestellten Schulen. Deren Schulleitungen berichten, wie das ‚Neue‘ ins Alte gelangen kann, Schulentwicklungsprozesse gestaltet und moderiert werden. Sie geben praxisnahe Einblicke in Beteiligungsstrukturen und Methoden.

 

Shownotes

Werkstattschule in Rostock
Humanistische Grundschule Fürth
UWC Robert Bosch College
Erklärvideo zur ‚Lernenden Organisation‘

 

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#9 - Schule als Organisation

Schule – das ist gemeinhin eine Einrichtung, deren Tagesgeschäft die Gestaltung von Lernprozessen in Form von Unterricht ist. Lehrkräfte handeln jedoch keineswegs nur nach eigenen pädagogischen Vorstellungen. Denn das Schulwesen untersteht der staatlichen Aufsicht und ist ein gewaltiger Verwaltungsapparat, dessen Bestimmungen nicht zuletzt Einfluss auf unterrichtliches Handeln nehmen. Organisationslogik und Individuumsorientierung in der pädagogischen Interaktion stehen dabei in einem Spannungsverhältnis zueinander. Dieses kann im Zuge der aktuellen Debatten um Schulentwicklung und Schulautonomie durchaus fruchtbar gestaltet werden.

Prof. Dr. Harm Kuper leitet seit 2006 den Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement an der Freien Universität Berlin. In dieser Bildungsnotiz eröffnet er durch organisationstheoretische Ansätze einen ‚neuen‘ Blick auf Schule und beschreibt diese als Organisation mit besonderen Herausforderungen, welche bei Schulentwicklungsvorhaben berücksichtigt werden müssen. Er stellt heraus, dass Rahmenbedingungen der Organisation und die pädagogische Autonomie einer jeden Lehrkraft einander ergänzen und unabdingbar für professionalisiertes Handeln sind.

 

Shownotes

Standards für die Lehrerbildung: Bildungswissenschaften (KMK 2004) Berliner Schulgesetz: §7 zur Selbständigkeit und Eigenverantwortung
Schule als lernende Organisation (Bormann)

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#8 - Die Reise zur 'guten Schule'

Zwölf Studierende, zwölf Tage, sechs Schulen. Um von gelungenen Praxisbeispielen zu lernen, wie ‚gute Schule‘ gestaltet werden kann, reisen (Lehramts-)Studierende aus Berlin zu sechs ausgezeichneten Schulen in Deutschland. Vor Ort erleben sie die Umsetzung verschiedenster Schulkonzepte und setzen sich mit dem eigenen Berufsverständnis auseinander. Vor Reisebeginn haben sie sich ein Semester lang mit wissenschaftlichen Kriterien zur Bewertung ‚guter Schulen‘, qualitativen Beobachtungsmethoden, Fragen der Schulqualität sowie der Schulgestaltung und Innovationsstrategien im Schulbereich auseinandergesetzt. Die Reise haben sie selbstorganisiert: Schulen ausgesucht und kontaktiert, Transport und Übernachtungen arrangiert.

In dieser Audioreportage wird die Reisegruppe von der Planung bis zur Nachbereitung ihres Schul- und Roadtrips durch Deutschland begleitet. Dabei wird beleuchtet, inwiefern das Format ‚Lernreise‘ die Lehramtsausbildung bereichern kann. 

 

 

 

Shownotes

Prinzip Lernreise (ein Tutorial zum Selbermachen)
Deutscher Schulpreis

 

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#7 Gewaltfreie Kommunikation in der Schule

‚Von der Erziehung zur Beziehung‘ ist der Leitsatz des dänischen Familientherapeuten Jesper Juuls und vieler alternativer Schulprojekte. Diesem partnerschaftlichen Leitsatz hat sich auch die Integrale Tagesschule Winterthur verschrieben. Denn dort sind die Beziehungen zwischen den Schulbeteiligten und eine an deren Bedürfnissen ausgerichtete Gestaltung der Einrichtung konzeptuell verankert. Als Werkzeug zur Schulgestaltung nutzen sie dabei unter anderem die Methode der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg.

Ellen Even hat eine pädagogische Ausbildung und einen Master in Kultur und Entwicklung absolviert. Sie arbeitete in verschiedenen Ländern und begleitet derzeit an der Integralen Tagesschule Winterthur bei Zürich Jugendliche als Lerncoach. Eine wertschätzende und offene (pädagogische) Grundhaltung mit echtem Interesse an der Vielfalt in jedem einzelnen Menschen stellt für Ellen nicht zuletzt einen erstrebenswerten Weg für uns als Gesellschaft im 21. Jahrhundert dar. Im Gespräch mit Hanna berichtet sie vom schulischen Alltag und der integralen Umsetzung des Konzeptes der Gewaltfreien Kommunikation an der Tagesschule in Winterthur.

 

Shownotes

Integrale Tagesschule Winterthur
Skarpnack’s Free School, Stockholm (weitere GfK-inspirierte Schule)
Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation
Workshop von Marshall B. Rosenberg
Podcast von SWR2 zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation“
Aktives Zuhören (nach Carl R. Rogers)

Weiterführend:

Riane Eislers Entwurf einer „partnerschaftlichen Schule“, in welcher schulische Prozesse, Strukturen und Curricula transformiert werden

 

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#6 Design Thinking in Schule

Design Thinking ist ein Prozess, der zur Entwicklung von Innovationen und kreativen Problemlösungen führen soll. Nach dem Leitsatz, Mut zum Querdenken und Scheitern, wird dieser nutzerorientierte Ansatz derzeit u.a. in Unternehmen eingesetzt. Durch die in Indien an der Riverside School initiierte Bewegung „Design For Change“  sollen auch Kinder befähigt werden, ihre Umwelt mithilfe des Design Thinking zu gestalten. „Design For Change“ wird inzwischen an Schulen in Deutschland erprobt.

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Eva Maria Zoll hat Design Thinking an der School of Design Thinking in Potsdam erlernt. Im Gespräch mit Anna berichtet sie von den Herzstücken der Methode, erzählt von ihren Erfahrungen an der Riverside School und wie sie sich entschied, Design For Change nach Deutschland zu bringen. 

 

 

 

 

 

 

 

Shownotes

TED  Talk Gründerin Riverside School / Design For Change Kiran Sethi
Riverside School
Design For Change
HPI School of Design Thinking
Alphabet Trailer
Teach First Deutschland
Design For Change Design Thinking Guide Sample
TED Talk "The danger of a single story"
Cambridge Curriculum + Global Perspectives
Design Thinking for Educators Toolkit
What would Harry do

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#5 Schulfach Glück

Die Forderung, dass Schule auf das Leben vorbereiten soll, erklingt häufig. Das Schulfach "Glück" ist ein Versuch innerhalb vorherrschender Fächerstrukturen Lebenskompetenz, Lebensfreude und Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Das baden-württembergische Kultusministerium unterstützt dieses Fach, sodass sich Schüler_innen nicht nur am Nachmittag in einer AG sondern im Rahmen eines anerkannten Wahlfaches mit der Fähigkeit, Glück zu empfinden, auseinandersetzen können.

Kerstin Dreier hat eine einjährige Weiterbildung zum Schulfach Glück gemacht/absolviert und unterrichtet "Glück" seitdem an der Alexander-von-Humboldt-Schule in Viernheim. Anna hat Kerstin auf dem „Archiv der Zukunft“-Kongress in Bregenz getroffen und sich mit ihr über die Idee, ihre Erfahrungen mit der Umsetzung im Schulalltag und natürlich über das Phänomen Glück unterhalten.


Shownotes

Fritz-Schubert-Institut (Fortbildungen)
Evaluation zum Einfluss des Schulfach Glücks auf das subjektive Wohlbefinden von Schüler_innen (Universität Mannheim)
Sendung 9 ½ filmt im Glücksunterricht (ab Minute 4:56)
Willy-Hellpach-Schule Heidelberg (erste Schule, die das Fach einführte)
Interview mit Tal Ben Shahar (hielt Glücksvorlesungen an der Harvard Universität)
Free Hugs Campaign


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#4 Resonanz

Wahrscheinlich kennen alle Menschen das Gefühl in bestimmten Situationen authentischer zu sein als in anderen Situationen. Aber was zeichnet diese Situationen aus? Laut Hartmut Rosa; Resonanz.
Ein Gespräch über das Verhältnis von Menschen zur Welt, wann dieses Verhältnis als gelingendes Verhältnis beschrieben werden kann und dadrüber wie in Schulen versucht werden kann Resonanzverhältnisse zu inszenieren.

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Hartmut Rosa ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller- Universität Jena. Er selbst sieht sich in der Theorietradition der Kritischen Theorie. Einem breiten Publikum wurde er bekannt durch seine Arbeiten zur Beschleunigung in modernen Gesellschaften. Momentan arbeitet er an einer Soziologie der Weltbeziehung. Des Weiteren ist Rosa einer der Direktoren des Kollegs „Postwachstumsgesellschaften“. In diesem Podcast spricht er mit Jannis und Jakob über ein soziologisches Konzept der Resonanz. 

 

Shownotes

Kolleg Postwachstum 
Alex Honneth

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#3 Lobbyismus an Schulen

Schüler_innen sollen laut Bildungs- und Erziehungsauftrag befähigt werden, sich ihre eigene Meinung zu bilden. Sie sind als zukünftige gesellschaftliche und politische Akteure jedoch zugleich Zielgruppe verschiedenster Interessenvertreter, die frühzeitig das Meinungsklima von morgen bestimmen möchten. So haben Unternehmen seit dem PISA-Schock und einer zunehmenden Öffnung der Schule nach außen diese Institution längst für sich entdeckt und Einzug in die Bildungsstätten erhalten, um Themen in Form von Unterrichtsmaterialien und gestalteten Unterrichtseinheiten zu setzen oder das eigene Unternehmen positiv darzustellen.

Christian Hausner ist Aktivist bei der Organisation LobbyControl - Initiative für Transparenz und Demokratie. Er arbeitet als Lehrer für Politik und Geschichte und koordiniert das Projekt „Herausforderung“ an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. Im Gespräch mit Hanna Neuffer berichtet er von Unternehmensinteressen an Schulen, inhaltlich und didaktisch fragwürdigen Lehrmaterialien und gezielter „Meinungsmache“ am Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schule vorbei. Dabei  verweist er auf strukturelle Probleme eines zunehmend ökonomisierten Schulwesens.

 

 

 

 

Shownotes

Diskussionspapier von LobbyControl zum Thema Lobbyismus an Schulen
Qualitätsanalyse von Lehrmaterialien des Verbraucherzentrale Bundesverbands
Beutelsbacher Konsens 
Beispielmaterial Volkswagen AG „Mobil im Klimaschutz"
Beispielmaterial Wirtschaft und Schule "Vor- und Nachteile verschiedener Arbeitsformen"

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#2 Lernalltag an der ESBZ

Die Evangelische Schule Berlin Zentrum (kurz ESBZ) ist eine von der Evangelischen Kirche getragene private Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Die Schule bezeichnet sich selbst als "Schule im Aufbau" und investiert viel Zeit in die Reflexion und Gestaltung des schulischen und unterrichtlichen Umfeldes. Aber auch nach außen hin ist die ESBZ aktiv und stößt eine deutschlandweite Initiative zu Schulentwicklungsprozessen an.

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1996 in der Schweiz während der elterlichen Artistik-Tournee geboren, verbrachte Gwen ihre Kindheit nur zur Hälfte in der Hauptstadt. Oft begleitete sie ihre Eltern in die verschiedensten Varietés Deutschlands. Nachdem Gwen sechs Jahre eine Montessorri-Schule besuchte, wechselte sie an die ESBZ.
Im Gespräch mit Yvonne beschreibt sie ihren Eindruck von dieser Schule und vieles darüber hinaus.

 

 

 

Shownotes

Evangelische Schule Berlin Mitte 
Evangelische Schule Berlin Zentrum 
Lernbüro und Logbuch
"
Schüler schulen Lehrer"-Fortbildung
Funkenflug-Video
Projekt Verantwortung
Projekt Herausforderung
Roadshow

Nebenschauplätze

Kopftuch-Gesetze
Hausaufgaben an Gesamtschulen in der Diskussion
Rechtschreib-Problematik
Neues Oberstufen-Konzept an der ESBZ (S. 3-4)  
Staatliche Artistenschule in Berlin

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#1 Partizipation durch Theater

Im Biografischen Theater dienen persönliche Gefühle, Gedanken und Erfahrungen aus der Lebenswelt der Jugendlichen als Ausgangspunkt zur Entwicklung eines Stücks, die schließlich mit Methoden der Ästhetisierung verfremdet werden. Die Jugendlichen werden an theaterästhetische Mittel herangeführt und nutzen diese, um künstlerische Prozesse eigenständig zu gestalten.

© Denise Biffar 

© Denise Biffar 

Maike Plath entwickelte diesen partizipativen Ansatz auf Basis ihrer Erfahrungen als Lehrerin mit Neuköllner Jugendlichen. Exemplarisch sichtbar an vielen Erzählungen aus ihrer Theaterarbeit wird im Gespräch mit Anna deutlich, warum Maike Theaterunterricht als das machtvollste Bildungsmittel einschätzt.

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