Können wir von Extremen lernen? Ein Orientierungsversuch.

Uns schwirrt der Kopf. Seit 10 Tagen sind wir unterwegs, fünf von sechs Schulen haben wir schon gesehen. Nach jedem Besuch versuchen wir in stundenlangen Reflexionsphasen das Erlebte einzuordnen. Wir wollen in der Zeit, die uns zur Verfügung steht, die jeweilige Schule so gut wie möglich verstehen. Welche Prinzipien sind allgemeingültig? Welche Konzepte übertragbar? Dieses Filtern ist sehr schwierig. Denn natürlich hat jede Schule ihr eigenes Ökosystem, jeder Ort hat seine ganz individuellen Begebenheiten und Herausforderungen und was an der einen Schule wunderbar funktioniert, sorgt an der anderen vielleicht für Verwirrung. 

Unterschiedlicher könnten die Schulen, die wir besuchen, auch fast nicht sein. Im Vorfeld hatten wir uns für eine große Bandbreite an Lernorten entschieden und jetzt, in Diskussionen und langen Gesprächen, haben wir den Salat. Kann man eine Hauptschule in Harsewinkel mit dem multinationalen United World College in Freiburg vergleichen? Was, um alles in der Welt, hat besagtes College, ein Internat an dem in zwei Jahren alle Schüler_innen einen internationalen Abschluss absolvieren, mit dem Oberstufenkolleg in Bielefeld zu tun, an dem jeder junge Erwachsene für sich selbst entscheiden kann, ob er oder sie heute lernen möchte oder nicht? Der morgige Besuch einer humanistischen Grundschule bringt uns dann doch bestimmt komplett aus dem Konzept.

Oder? 

Auf den ersten Blick haben diese Schulen tatsächlich nicht viel miteinander zu tun. Zu unterschiedlich sind die Bedürfnisse der Schülerschaft und die finanzielle Situation und Struktur der Schule.
Doch gerade diese Diversität lässt die verbindenden Elemente der verschiedenen Schulen deutlicher hervortreten.

Denn was den eigentlichen Unterschied zu anderen Schulen macht, sind nicht die neusten Gebäude, der Privatschulstatus oder die Apple Grundausstattung in jedem Klassenzimmer.
Diese Dinge erleichtern die Arbeit ungemein, doch sie können im Zweifel nicht aus unmotivierten Schüler_innen begeisterte Lerner machen oder die Feedbackkultur im Kollegium ersetzen.

Spricht man mit den Lehrenden wird schnell klar, dass sie alle ihre Schule als ein Projekt betrachten, das mit allen Beteiligten - Kollegium, Schülerschaft und Eltern - weiterentwickelt wird und nicht stillsteht. Gemeinsam haben sie ein Ziel und sehen sich nicht nur als Verwalter von Kindern oder Notengeber. An jedem Lernort waren sich die Akteure bewusst, dass Teil einer Schule zu sein für jeden und jede bedeutet, Teil eines lernenden Organismus zu sein - und in diesem Lernprozess gehen Lehrkräfte und Schulleitungen den ersten Schritt.