Aus dem Tagebuch von Knut. Bestens vorbereitet in Harsewinkel.

Dichter Nebel begleitet uns auf der Überlandfahrt nach Harsewinkel. Die Kleinstadt in Ostwestfalen erwartet uns mit grauem Himmel bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Kaum dem Bus entstiegen, nimmt Schulleiter Hermann Hecker mit seiner freundlichen Begrüßung dem Ort jede Kälte. 

Nach kurzer Einführung in die Schulstruktur und Hintergrundinformationen zur Gemeinde Harsewinkel übernimmt Frau Michael das Wort: Die schuleigene Übergangscoachin stellt uns den ausgeklügelten Berufswahl-Fahrplan der August-Claas-Schule vor, der die Schüler_innen auf dem Weg in die Berufsausbildung oder an weiterführende Schulen leitet und begleitet.
In den Klassen 8-10 durchlaufen die Schüler_innen die Schritte Informieren, Entscheiden und Bewerben und werden dabei stets von ihr begleitet. Frau Michael hilft den Schüler_innen beim Ausloten der eigenen Interessen und Stärken und unterstützt sie bei der Suche von Praktikums- und Ausbildungsstellen. Die Schüler_innen vereinbaren selbstständig Termine für die Sprechstunden, die während der Unterrichtszeit in einem Raum an der Schule stattfinden. So lernen sie ganz nebenbei, sich eigenverantwortlich und verlässlich zu präsentieren. Zwischen den Zeilen ist immer wieder erkennbar, dass die erfolgreiche Weitervermittlung der Harsewinkler Schüler_innen und Absolvent_innen unter anderem durch das enge Netz gelingt, dass Frau Michael und andere Akteure der August-Claas-Schule über viele Jahre in der Region aufgebaut haben. 
Neben diesen persönlichen Kontakten ist es allerdings vor allem die zielgerichtete Vorbereitung der Schüler_innen der August-Claas-Schule, die sie für zahlreiche ostwestfälische Unternehmen zu attraktiven Praktikant_innen und Auszubildenden macht. So nahmen im letzten Jahr 52 Unternehmen am jährlichen Berufsparcours an der Schule teil und stellten mehr als 90 Ausbildungsberufe vor. Die Schüler_innen haben hier die Möglichkeit, erste Kontakte mit lokalen Firmen zu knüpfen und beispielsweise für eins der pro Schuljahr vorgesehenen Praktika einen Fuß in die richtige Tür zu bekommen. 

Doch weshalb sagen Unternehmen aus der Region, dass sie grundsätzlich keine Hauptschüler nehmen, außer diejenigen der August-Claas-Schule? Ein anderer wesentlicher Grund für diese Tatsache ist die Außenwerkstatt, in der die Schüler_innen jeden Donnerstag praktische Erfahrung in handwerklichen Berufen sammeln. In einer ehemaligen Gärtnerei auf einer Fläche von 400m2 teilen begeisterte Handwerksrentner ihr Wissen mit den interessierten Schüler_innen; anhand praktischer Arbeiten lernen die Schüler_innen Berufsfelder des Malers/Lackierers, des Schlossers, des Tischlers oder des Gärtners kennen oder erlangen Einblicke in die Fahrradreparatur. Dabei werden Handgriffe und kleine Tricks weitergegeben und der berufsspezifische Wortschatz ganz nebenbei angewendet. Der Austausch der Generationen ist faszinierend und funktioniert am Beispiel handfester Produkte, die mitunter verkauft werden, wie der Kassenschlager des rollbaren Indoor-Hochbeets beweist.
Kein Wunder, dass die Schüler_innen in der Buchhaltung mit Lagerhaltung, Katalogisierung, Einkauf und Anfragen potentieller Kunden mindestens ebenso gut ausgelastet sind.    Tische, Stühle, Tafel, Beamer, Schultaschen? Fehlanzeige.

Der Besuch in der Außenwerkstatt wollte erst einmal nicht zu meinem Bild einer Schule passen. Und doch offenbart sich hier sofort, wie Lernen am Objekt funktioniert und welche Motivation und Begeisterung bei den Lernenden dadurch geweckt wird. Sie sehen, was sie bearbeiten und produzieren: das bereits erwähnte rollbare Hochbeet, ein Sitzecke für die Pause oder ein zu reparierendes Fahrrad. Es ist beeindruckend, wie die Schüler_innen an diesem Ort ihre Interessen entdecken und an ihren Fähigkeiten arbeiten können, sodass ein späterer Einstieg in das Berufsleben höchstwahrscheinlich von weniger Problemen begleitet sein wird.