Drei Fragen an Nina.

Nina ist 22 und leitet Seminare in der politischen Bildung für Kinder und Jugendliche.
 

Was ist deine Hauptmotivation, bei dieser Reise dabeizusein?

Mich interessiert vor allem, wie Schule als Organisation funktioniert - durch welche Prozesse und Strukturen wird Entwicklung vorangetrieben? Wie schaffen es gute Schulen, Kinder und Jugendliche zum Lernen zu motivieren? Das ist vor allem für meine Arbeit mit Schülervertretungen wichtig.
Außerdem ist es immer wieder spannend, wie Schulleitungen mit verschiedenen Bedingungen vor Ort umgehen, dazu Konzepte entwickeln und sie erfolgreich umsetzen.

Was hat dich bei den Gesprächen mit den Schulleitungen inspiriert?

Als Leitung bist du auch nicht unfehlbar, dieses Eingeständnis ist in unserer Gruppe gut angekommen und hat mir gezeigt, dass es wichtig ist, offen zu sein für Kritik von außen. Die Leiter_innen, mit denen wir gesprochen haben, vermitteln alle ein sicheres Gefühl, dass neue Ideen gerne aufgegriffen und als Chance gesehen werden.

Mich hat es beeindruckt, dass die meisten Leiter_innen die Haltung, die sie sich von anderen wünschen, konsequent auf allen Ebenen vorleben. Ich muss als Leitung meinen Kollegen so begegnen wie ich das von ihnen und den Schülern erwarte.

Spielst du jetzt nicht doch mit dem Gedanken, Lehrerin zu werden?

Während der Reise denke ich da häufiger drüber nach. Der Reiz ist ganz klar, eine Schule inhaltlich und strukturell mitgestalten zu können. Als Lehrerin muss ich ja aber auch jeden Tag Unterricht vorbereiten und bewege mich in einem relativ starren Rahmen. Ich genieße die Projektphasen, die ich mit Jugendlichen gestalten kann, sehr.
Das Lehramtsstudium an sich ist ehrlich gesagt auch ein großes Hindernis.
Ich will mit jungen Menschen arbeiten, dafür möchte ich nicht in Kauf nehmen, jahrelang zu studieren.

Danke!

Aus dem Tagebuch von Knut. Bestens vorbereitet in Harsewinkel.

Dichter Nebel begleitet uns auf der Überlandfahrt nach Harsewinkel. Die Kleinstadt in Ostwestfalen erwartet uns mit grauem Himmel bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Kaum dem Bus entstiegen, nimmt Schulleiter Hermann Hecker mit seiner freundlichen Begrüßung dem Ort jede Kälte. 

Nach kurzer Einführung in die Schulstruktur und Hintergrundinformationen zur Gemeinde Harsewinkel übernimmt Frau Michael das Wort: Die schuleigene Übergangscoachin stellt uns den ausgeklügelten Berufswahl-Fahrplan der August-Claas-Schule vor, der die Schüler_innen auf dem Weg in die Berufsausbildung oder an weiterführende Schulen leitet und begleitet.
In den Klassen 8-10 durchlaufen die Schüler_innen die Schritte Informieren, Entscheiden und Bewerben und werden dabei stets von ihr begleitet. Frau Michael hilft den Schüler_innen beim Ausloten der eigenen Interessen und Stärken und unterstützt sie bei der Suche von Praktikums- und Ausbildungsstellen. Die Schüler_innen vereinbaren selbstständig Termine für die Sprechstunden, die während der Unterrichtszeit in einem Raum an der Schule stattfinden. So lernen sie ganz nebenbei, sich eigenverantwortlich und verlässlich zu präsentieren. Zwischen den Zeilen ist immer wieder erkennbar, dass die erfolgreiche Weitervermittlung der Harsewinkler Schüler_innen und Absolvent_innen unter anderem durch das enge Netz gelingt, dass Frau Michael und andere Akteure der August-Claas-Schule über viele Jahre in der Region aufgebaut haben. 
Neben diesen persönlichen Kontakten ist es allerdings vor allem die zielgerichtete Vorbereitung der Schüler_innen der August-Claas-Schule, die sie für zahlreiche ostwestfälische Unternehmen zu attraktiven Praktikant_innen und Auszubildenden macht. So nahmen im letzten Jahr 52 Unternehmen am jährlichen Berufsparcours an der Schule teil und stellten mehr als 90 Ausbildungsberufe vor. Die Schüler_innen haben hier die Möglichkeit, erste Kontakte mit lokalen Firmen zu knüpfen und beispielsweise für eins der pro Schuljahr vorgesehenen Praktika einen Fuß in die richtige Tür zu bekommen. 

Doch weshalb sagen Unternehmen aus der Region, dass sie grundsätzlich keine Hauptschüler nehmen, außer diejenigen der August-Claas-Schule? Ein anderer wesentlicher Grund für diese Tatsache ist die Außenwerkstatt, in der die Schüler_innen jeden Donnerstag praktische Erfahrung in handwerklichen Berufen sammeln. In einer ehemaligen Gärtnerei auf einer Fläche von 400m2 teilen begeisterte Handwerksrentner ihr Wissen mit den interessierten Schüler_innen; anhand praktischer Arbeiten lernen die Schüler_innen Berufsfelder des Malers/Lackierers, des Schlossers, des Tischlers oder des Gärtners kennen oder erlangen Einblicke in die Fahrradreparatur. Dabei werden Handgriffe und kleine Tricks weitergegeben und der berufsspezifische Wortschatz ganz nebenbei angewendet. Der Austausch der Generationen ist faszinierend und funktioniert am Beispiel handfester Produkte, die mitunter verkauft werden, wie der Kassenschlager des rollbaren Indoor-Hochbeets beweist.
Kein Wunder, dass die Schüler_innen in der Buchhaltung mit Lagerhaltung, Katalogisierung, Einkauf und Anfragen potentieller Kunden mindestens ebenso gut ausgelastet sind.    Tische, Stühle, Tafel, Beamer, Schultaschen? Fehlanzeige.

Der Besuch in der Außenwerkstatt wollte erst einmal nicht zu meinem Bild einer Schule passen. Und doch offenbart sich hier sofort, wie Lernen am Objekt funktioniert und welche Motivation und Begeisterung bei den Lernenden dadurch geweckt wird. Sie sehen, was sie bearbeiten und produzieren: das bereits erwähnte rollbare Hochbeet, ein Sitzecke für die Pause oder ein zu reparierendes Fahrrad. Es ist beeindruckend, wie die Schüler_innen an diesem Ort ihre Interessen entdecken und an ihren Fähigkeiten arbeiten können, sodass ein späterer Einstieg in das Berufsleben höchstwahrscheinlich von weniger Problemen begleitet sein wird.  

Aus dem Tagebuch von Janne. Transparenz am OSK Bielefeld.

Den ganzen Vormittag habe ich in ganz gewöhnlichen Klassenräumen verbracht, nun sitze ich hier in einem dieser gläsernen Klassenräume, die für das Oberstufenkolleg bezeichnend sind.

Unter dem Begriff „Unterricht auf Flächen“ – konnte ich mir zuvor nicht wirklich etwas vorstellen. Ich hatte mir eher einen großen freien Raum mit ein paar Stellwänden vorgestellt, doch was wir hier vorfinden ist ein normales U aus Stühlen und Tischen wie es zu meiner Schulzeit Standard war – nur eben keine Wände, keine Türen, keine Fenster, sondern Plexiglas zu allen Seiten.

TRANSPARENZ.

Ein in der Fachdidaktik und Erziehungswissenschaft so gern verwendeter Begriff, wird hier auf eine Art und Weise umgesetzt, die ich nicht für möglich gehalten hätte.

Während ich das freundliche Miteinander zwischen den Schüler_innen und dem Lehrer beobachte und der Diskussion um die Bedeutung von Frida Kahlos Selbstportraits lausche, kommen mir jede Menge Fragen über diese außergewöhnliche Raumsituation in den Sinn: 

Sind diese durchsichtigen Zimmerwände Schutz oder Kontrolle?
Führt es zu höherer Unterrichtsqualität wenn das Geschehen im Klassenzimmer dauerhaft von allen Seiten beobachtet werden kann?
Verhindert diese besondere Art der Architektur eine Eskalation im Verhalten der Schüler_innen und Regelverstöße seitens der Lehrerschaft?

Schafft die dauerhafte Sichtbarkeit auch Sicherheit?

Als Jonas und Gunnar vom Lernreise-Team am Klassenraum vorbeilaufen und mich dadurch kurz von der mexikanischen Künstlerin und meinen Gedanken ablenken, frage ich mich, ob diese Form des Unterrichts wohl auch die Konzentration schult.
Dafür, dass weder zu den anderen „Klassenzimmern“ noch zum Korridor Türen existieren, ist der Geräuschpegel überraschend niedrig, die visuelle Ablenkung ist allerdings enorm.

Lernen die Schüler_innen so schon vor Unibeginn sich auf einen Sache zu konzentrieren? 


Die Kollis mit denen ich spreche nehmen die transparenten Räume positiv wahr, einige erzählen, dass sie in ihren Freistunden dem Unterricht anderer Klassen zuhören und manchmal sogar daran teilnehmen. Das Schwierige sei allerdings, erzählen sie, dass hier auch Klausuren geschrieben werden, dann sei es doch oft zu laut.

Den meisten von uns bleibt neben der außergewöhnlichen Architektur die starke Teilnahme der Kollis an der Schulentwicklung im Gedächtnis. 
„Demokratische Partizipation“ ist hier ein Unterrichtsfach. Auf die Frage ob es die Kollis nicht stört, ihren „KRAT“ (Kollegiatenrat) quasi vor den Augen aller hinter Glas abzuhalten bekommen wir als Antwort zu hören:

"Wieso denn? Wir müssen uns doch nicht verstecken, wir haben nichts zu verbergen."

Humanistische Grundschule, Fürth - Schulprofil.

Harte  Fakten

Gründung

2008

Schultyp/-­form

Humanistische Grundschule

Schüler_innenanzahl

>100 (in vier altersgemischten Lerngruppen)

Anzahl  der Lehrkräfte (ggf. + weiteres Personal)

?

Merkmale des täglichen Lernens

Kind steht im Mittelpunkt, Jahrgansübergreifendes Lernen, Wochenplan, Freie Arbeit, Kinderrat, Philosophieren, Kurse und Projekte, Freies Spiel

Besonderheiten

Feste Feiern als fester Bestandteil, tägl. Frisch zubereitetes Essen, HVD ist Dachverband

Genauere Erklärung des Schulkonzeptes

Die Humanistische Pädagogik lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen, wobei „Humanismus“ je nach Epoche unterschiedliche Bedeutungen zugeschrieben werden.

In der Antike lag der Fokus auf dem geistigen Streben nach Wahrheit und Erkenntnis (Sokrates, Platon) bzw. auf der wettbewerbsfreien ganzheitlichen Entwicklung des Menschen auf Grundlage der Vernunft mit dem Ziel, in Gemeinschaft ein gutes Leben führen zu können (Aristoteles).

In der Renaissance rückte das Kind selbst und dessen freie Entfaltung in den Mittelpunkt. Es müsse angstfreies Lernen ermöglicht werden (Erasmus von Rotterdam), das möglichst viele Sinne anspreche und Kreativität fördere.

In der Aufklärung sollte die gute Anlage des Kindes (Rousseau) gegen die negativen gesellschaftlichen Einflüs- se geschützt werden. Bildung sollte sich ganzheitlich auf Kopf, Herz und Hand (Pestalozzi) beziehen. Lehrende nehmen die Rolle von Helfenden ein und solle eine verlässliche vernunftgeleitete Vorbildfunktion einnehmen (Kant).

Die reformpädagogische Bewegung greift die Orientierung am Kind wieder auf, fokussiert auf die Lebens- weltorientierung und richtet sich insbesondere gegen autoritären Lern- und Unterrichtsstil. Das Erlernen von Selbstständigkeit und das Erlernen des Zusammenlebens in der Gesellschaft nach demokratischen Prinzipien werden fokussiert.

Auf dieser Grundlage entwickelte sich das Humanistische Konzept im engeren Sinne:

Vorrangiges Ziel ist die Erleichterung des Lernens und Wandels (Rogers) und die Erziehung zum Menschsein (Fromm). Außerdem wird die Ausbildung der Urteilsfähigkeit verfolgt (Kohlberg). Die Bedeutung der intrinsischen Motivation wird betont (Maslow).

Weitere wichtige Infos zur Schule/zum Konzept

Es gibt eine Kinderuni während der Hortzeit. Die Teilnahme ist freiwillig. Das Angebot wird von Paädagog_innen und von Kindern gestaltet. Das Kursangebot wechselt jährlich.

Quellen

http://www.hvd-kitas.de/humanistische-grundschule/fuerth/ueber-uns/

http://www.hvd- kitas.de/fileadmin/user_upload/Schule_Fuerth/Konzept_Humanistische_Grundschule_Fuerth26-03-08.pdf

United World College, Freiburg - das Schulprofil.

 

Gründung

2014

Schulform/ Schultyp

internationales Oberstufen-Internat (Stufe 11/12, Abschluss: IB - International Baccalaurea)

Schülerzahl

200, derzeit 104 aus 71 Nationen, von nationalen Komitees ausgewählt (Teil -/Vollstipendien), 50 Plätze für deutsche, 150 für internationale Schüler_innen

(„Alle Schüler werden ausschließlich nach Eignung, Persönlichkeit und Begabung ausgewählt“)

Merkmale täglichen Lernens

Kursunterricht (3 Grund & 3 Leistungskurse (IB Fächer), Teilnahme am CAS - Programm (kreative Arbeitsgemeinschaft, Sportangebot, Übernahme sozialer Dienste), Unterrichtssprache: Englisch, erlebnispädagogisch orientiert, Internatsleben: 4 Nationen teilen 1 Zimmer, Abendveranstaltungen mit Diskussionen „Global Affairs“

Besonderheiten

IB - Fächer (u.a. Social and Cultural Anthropology, Economics, Environmental Systems and Societies, Visual Arts, Theatre),

Services, Projektwochen (Fokus: Technik & Umwelt, nachhaltige Entwicklung, Wie kann Technik zu Frieden beitragen?, interkulturelles Lernen, Sport/ Services/ Events als Pfeiler des pädagogischen Konzepts.

1962 gründet Kurt Hahn das internationale Atlantic College als erstes UWC. Inzwischen gibt es 15 weltweit und ca. 50.000 Alumnis. Hahn entwirft mit den United World Colleges das Ideal eines „Atlantischen Staatsbürgertums“ (Hahn 1957, S. 284). Durch den Dienst am Nächsten (durch Projekte je nach College) wie Unterstützung ethnischer Minderheiten in Flüchtlingslagern, Seenotrettungsdienst, Schutzprogramme für gefährdete Tierarten, Aidsaufklärungsarbeit etc. und Gemeinschaftserfahrung als Schutz vor totalitärem Irrglauben soll die an den UWCs gebildete und zu Toleranz und sozialem Engagement angehaltene Jugend zur interkulturellen Verständigung und Frieden beitragen.

„UWC macht Bildung zu einer Kraft, die Menschen, Nationen und Kulturen für Frieden und

eine nachhaltige Zukunft vereint.”

UWC - Mission Statement

http://www.uwcrobertboschcollege.de/en/

 

 

Drei Fragen an Eva.

Eva-Lotte ist 27 und wird Lehrerin für Geschichte und Englisch.

 

Was ist für dich die größte Motivation, bei dieser Reise dabei zu sein?

Hinter den Schulen, die wir besuchen, stehen meistens Menschen mit einer Vision von Schule, die sie dort umsetzen. Mich motiviert es, sie kennenzulernen und mir so Inspiration zu holen und zu lernen, wie man Ideen verwirklichen kann.

Was sind Dinge, die dich unterwegs in deiner Vision von Schule bestärken oder dich inspirieren?

Mich beeindruckt vor allem unsere Teamkultur, die wir als Reisegruppe pflegen und das Selbstverständnis, mit dem wir voneinander lernen und achtsam miteinander umgehen.
Ich habe das Gefühl, dass wir uns gegenseitig als Inspirationsquelle sehen.

Ansonsten bestärkt es mich sehr, wenn ich mich mit den Jugendlichen unterhalte, die auf die Schulen gehen, die wir besuchen. Wenn die selbstbewusst rüberkommen und als starke Persönlichkeiten auftreten, ist das das beste Aushängeschild einer Schule.
Die Vorstellung, einmal mit solchen Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten, motiviert mich.

Möchtest du lieber Lehrerin an einer Schule sein, die deine Kriterien einer guten Schule zumindest weitestgehend erfüllt oder kannst du dir auch vorstellen, mit deiner Vision eine Schule zu verändern?

Einerseits habe ich große Lust, mit motivierten Leuten gemeinsam dabei zu helfen, das Konzept einer Schule weiterzuentwickeln. Andererseits kann ich mir auch gut vorstellen, ein paar Jahre an einer Schule zu arbeiten, die mein Verständnis von guter Schule teilt und umsetzt, um davon zu lernen.

Danke!

Freie Interkulturelle Waldorfschule Mannheim - das Schulprofil.

Harte Fakten

Gründung

11. September 2003

Schultyp/-form

Klasse 1-13, alle Schulabschlüsse möglich, Abitur an einer Partnerschule zu

absolvieren, erste Waldorfschule interkultureller Ausprägung in Europa

Schüler_innenanzahl

300 Schüler_innen aus 35 Nationen

Anzahl Lehrkräfte (ggf. + weiteres Personal)

40 Lehrer_innen aus 14 Nationen

Merkmale des täglichen Lernens

Klassenlehrer_in bleibt die ersten sechs/acht Jahre gleich, morgens unterrichtet sie_er immer die ersten zwei Stunden Epochenunterricht (Bsp. Mathe, Geschichte, Deutsch), anschließend andere Fächer - ab Klasse 9 Oberstufenlehrer_innen anstelle der Klassenlehrer_innen

Kulturunterricht in Klasse 3-8, Schüler_innen sollen andere Kulturen und Religionen kennenlernen

Begegnungssprache: in Klasse 1+2, gegenseitiges Verständnis schaffen und Sprachbarrieren aufheben, in Sprachen wie Polnisch, Spanisch, Türkisch, Kroatisch

Besonderheiten

Schwerpunkt auf handwerklich-künstlerischem Unterricht, 2x (9. u. 12.) wissenschaftliche Jahresarbeiten zu selbstgewählten Themen u. Theaterprojekt, an dem sich alle beteiligen müssen

Gartenbau und Eurythmie sind fester Bestandteil des Lehrplans

vom ersten Schuljahr an gibt es zwei Fremdsprachen

keine Noten in Unter- und Mittelstufe, sondern individuelle Beurteilungen

kein Sitzenbleiben und Wiederholen, Ganztagsschule 8 bis 15 Uhr

jährliche Praktika ab Stufe 7 (Forstpraktikum, Betriebsbesichtigungen, Sozialpraktikum, ...)

Entstehung der Schule/des Schulkonzeptes

„Der Impuls der Schulgründung fiel in eine Zeit, in der die Welt zu wanken schien. Internationale Spannungen, Terrorismus und Kriege, Veränderungen der Machtbezüge, Globalisierung und Klimawandel ließen die Frage immer dringlicher erscheinen, wie ein Kampf der Kulturen vermieden, Stabilität und eine Basis für ein friedliches Miteinander, Respekt und Toleranz gelegt und eine biologische Vielfalt erhalten werden können."

„Wie lernen Kinder unterschiedlicher Herkunft, Nationalität und Religion miteinander zu leben? Wie können sie gemeinsam lernen und dabei individuell gefördert werden? Wie können Eltern eine ganzheitliche und zukunftsorientierte Pädagogik mitgestalten? Wie kann ein ökologisches und globales Bewusstsein in einer globalisierten Welt geschaffen werden?“

fiw-mannheim.de/

Können wir von Extremen lernen? Ein Orientierungsversuch.

Uns schwirrt der Kopf. Seit 10 Tagen sind wir unterwegs, fünf von sechs Schulen haben wir schon gesehen. Nach jedem Besuch versuchen wir in stundenlangen Reflexionsphasen das Erlebte einzuordnen. Wir wollen in der Zeit, die uns zur Verfügung steht, die jeweilige Schule so gut wie möglich verstehen. Welche Prinzipien sind allgemeingültig? Welche Konzepte übertragbar? Dieses Filtern ist sehr schwierig. Denn natürlich hat jede Schule ihr eigenes Ökosystem, jeder Ort hat seine ganz individuellen Begebenheiten und Herausforderungen und was an der einen Schule wunderbar funktioniert, sorgt an der anderen vielleicht für Verwirrung. 

Unterschiedlicher könnten die Schulen, die wir besuchen, auch fast nicht sein. Im Vorfeld hatten wir uns für eine große Bandbreite an Lernorten entschieden und jetzt, in Diskussionen und langen Gesprächen, haben wir den Salat. Kann man eine Hauptschule in Harsewinkel mit dem multinationalen United World College in Freiburg vergleichen? Was, um alles in der Welt, hat besagtes College, ein Internat an dem in zwei Jahren alle Schüler_innen einen internationalen Abschluss absolvieren, mit dem Oberstufenkolleg in Bielefeld zu tun, an dem jeder junge Erwachsene für sich selbst entscheiden kann, ob er oder sie heute lernen möchte oder nicht? Der morgige Besuch einer humanistischen Grundschule bringt uns dann doch bestimmt komplett aus dem Konzept.

Oder? 

Auf den ersten Blick haben diese Schulen tatsächlich nicht viel miteinander zu tun. Zu unterschiedlich sind die Bedürfnisse der Schülerschaft und die finanzielle Situation und Struktur der Schule.
Doch gerade diese Diversität lässt die verbindenden Elemente der verschiedenen Schulen deutlicher hervortreten.

Denn was den eigentlichen Unterschied zu anderen Schulen macht, sind nicht die neusten Gebäude, der Privatschulstatus oder die Apple Grundausstattung in jedem Klassenzimmer.
Diese Dinge erleichtern die Arbeit ungemein, doch sie können im Zweifel nicht aus unmotivierten Schüler_innen begeisterte Lerner machen oder die Feedbackkultur im Kollegium ersetzen.

Spricht man mit den Lehrenden wird schnell klar, dass sie alle ihre Schule als ein Projekt betrachten, das mit allen Beteiligten - Kollegium, Schülerschaft und Eltern - weiterentwickelt wird und nicht stillsteht. Gemeinsam haben sie ein Ziel und sehen sich nicht nur als Verwalter von Kindern oder Notengeber. An jedem Lernort waren sich die Akteure bewusst, dass Teil einer Schule zu sein für jeden und jede bedeutet, Teil eines lernenden Organismus zu sein - und in diesem Lernprozess gehen Lehrkräfte und Schulleitungen den ersten Schritt.

 

 

Durch die Linse - Eindrücke aus der Außenwerkstatt der August-Claas-Schule.

In einem ehemaligen Gartencenter bringen engagierte Rentner den Schüler_innen der August-Claas-Schule in verschiedenen Werkstätten das Handwerk bei. 


Der Besuch der August-Claas-Schule Harsewinkel. Ein Liveticker, nachträglich.

09:00 _ Alle da. Wir stehen vor der Schule - geduscht, gefrühstückt, geschlafen. Wer sich erst um neun trifft, ist klar im Vorteil. Schuldirektor Hecker begrüßt uns freundlich.

09:05 _ Kaffee und Kekse. Immer besser hier!

09:10 _ Herr Hecker und Frau Michael, die hier Übergangscoach ist, erklären uns anhand eines Schaubilds und vieler Anekdoten das Schulkonzept.

Die August-Claas-Schule in Harsewinkel bei Bielefeld ist die einzige Hauptschule, die je den Deutschen Schulpreis gewonnen hat. 230 Schüler_innen werden hier auf den Hauptschulabschluss vorbereitet und bekommen intensive Einzelbetreuung auf dem Weg zur Berufsausbildung oder einer weiterführenden Schule. Die Schule setzt einen Schwerpunkt auf Praxiserfahrung und bindet ortsansässige Unternehmen in diesen Prozess ein. Besondere Stellung nimmt dabei die Außenwerkstatt ein, wo Handwerksrentner gemeinsam mit Schüler_innen an Projekten arbeiten. Zurzeit gibt es hier nur die Klassen 8 - 10, da die Hauptschule ein auslaufendes Modell ist und in zwei Jahren komplett in die benachbarte Gesamtschule integriert sein wird.

09:45 _ Herr Hecker muss los. Die Welt retten. Bevor er geht verspricht er uns aber 'Karnickelfutter' in der Mensa.

09:47 _ Frau Michael erklärt uns ihren Job. Sie begleitet die Schüler_innen auf ihrem Weg in den Beruf und ist damit äußerst erfolgreich. Seit 2007 konnten bis auf zwei Schüler_innen alle vermittelt werden, die ihre Unterstützung in Anspruch genommen haben.

10:17 _ Herr Hecker holt uns ab und wir fahren ein paar Kilometer weiter zur Außenwerkstatt des Schule.

10:25 _ Ein Mitarbeiter führt uns sichtlich stolz durch das ehemalige Gartencenter, das 2007 zu verschiedenen Werkstätten ausgebaut wurde. Hier geben frühere KFZ- Mechaniker, Maler und Lackierer, Gärtner, Schlosser, Schreiner, Elektriker und viele andere ihr Handwerk an interessierte Schüler_innen weiter.

10:50 _ Spielen kollektiv mit dem Gedanken, das Studium zu schmeißen und uns von Halbgott Bernie zum Tischler ausbilden zu lassen. Why not?

12:00 _ Karnickelfutter in der Mensa. Sehr lecker. Staunen, weil alle Mensamitarbeiter so nett und gesprächig sind. Janne wollte eigentlich nur Eintopf, jetzt weiß sie alles über alle.

13:00 _ Das Stück "Schutzengel" der Theater-AG hat Weltpremiere. Wir fiebern in der letzten Reihe mit.

13:18 _ Der Vorhang fällt, das Publikum johlt, der Schulleiter lobt über die Maßen und alle sind glücklich, dass die teilweise schwierige Projektphase so erfolgreich Früchte getragen hat.

13:20 _ Wir treffen uns mit Herrn Hecker und Herrn Storck (dem Leiter der Gesamtschule) zu einem Gespräch über gute Lehrer, die Kultur des Kümmerns und Harsewinkeler Lokalkuriositäten. Wollten eigentlich inhaltlich wertvolle Notizen machen, schreiben vor Begeisterung aber nur gute Sprüche mit.

14:00 _ Verabschieden uns herzlich von den beiden. Schade. Wir könnten uns eigentlich noch länger gute Geschichten anhören. Obwohl, eine lange Fahrt liegt vor uns... Abflug!

 

 

 

Durch die Linse - Eindrücke aus dem Oberstufenkolleg Bielefeld.

Das Konzept des OSKB spiegelt sich in der Architektur und Gestaltung der Schule wider: Geschlossene Räume gibt es fast nicht, dafür jede Menge gestalterischen Freiraum für Kollegiat_innen. 


Unterwegs I

Tag 6.

Sechs Tage mit der gleichen Gruppe unterwegs.
Zwischen Abgrenzungsbedürfnis und Teambuilding - Maßnahmen. Morgens um 06:30 hat niemand Lust auf Small-Talk. Dachte man. Abends wollen bestimmt alle noch in eine Kneipe. Und dann pennt man um acht am Küchentisch ein. Lernreise 2015 - auf vielen Ebenen.

Irgendwie läuft das aber schon ziemlich gut. So regelmäßig, gesund und ausgewogen haben viele schon lange nicht mehr gegessen. An dieser Stelle ein Appell an die Personen, die immer dieses Frühstück inklusive Kaffee, Obst, verschiedenen Aufstrichen und Müsli zaubern: Wer seid ihr? Kann man sich bei euch revanchieren? Und wer war dieses Mal einkaufen? Knut schon wieder!? Danke.

Es macht Spaß mit diesen Menschen unterwegs zu sein, die ihre Bedürfnisse klar äußern, sie aber auch mal zurückstecken können. 

Sechs Tage quer durch Deutschland.
Berlin - Rostock - Bielefeld - Mannheim.
Wir verbringen viel Zeit auf der Autobahn, sehen Städte und Dörfer vorbeiziehen, die Landschaft verändert sich.
Bielefeld ist das neue Offenbach, sagt man. 
Berlin kommt ganz gut zwei Wochen ohne uns klar. 
Während der Fahrt setzt sich das Erlebte. Zwischen den Stationen gibt es für eine Weile nichts zu tun und man kommt dazu, sich zu fragen: Wie geht's mir eigentlich? 

Sechs Tage qualmende Köpfe.
Egal ob auf der A7 Richtung Bielefeld, abends um viertel vor acht am Küchentisch oder beim Frühstück - die Gedanken und Gespräche kreisen um die Schulen, die wir bisher gesehen haben. Mittlerweile haben wir die Werkstattschule/Rostock, das Oberstufenkolleg/Bielefeld und die August-Class Schule/Harsewinkel besucht und waren an jeder Schule neu begeistert, haben andererseits aber auch tausend neue Fragen. 

Wie meistert eine Schule den Balanceakt zwischen gesellschaftlichen Anforderungen und ihrem Bildungsideal? Wie viel Zeit steckt wirklich im Lehrerberuf?
Sollte an der Uni nicht eigentlich Kommunikationspsychologie und weniger Fachdidaktik unterrichtet werden? Wie sinnvoll ist es, Schüler_innen das Zuspätkommen zu erlauben?
Ist das Abitur wirklich das A und O der schulischen Bildung? Und warum werden so wenige Abiturienten Malermeister? 
Welche gesellschaftliche Funktion hat Schule denn überhaupt? 

Nach aufeinanderfolgenden Schulbesuchen am Mittwoch und Donnerstag und in den Zeitplan gequetschten Reflexionszeiten inklusive Fahrtwegen wollen unsere Batterien aufgeladen werden. Wie gut, dass das Wochenende ansteht.
Wir sind in Mannheim, gehen gleich essen und lassen bald ein paar Ergebnisse der ganzen Reflektiererei folgen! 


Aus dem Tagebuch von Hanna - Rostock und der Lernreisestart.

Es ist 7.40 am Montagmorgen. Im strahlenden Sonnenschein sind wir von unserer Gastgeber-WG aufgebrochen und folgen nun dem Schülerstrom ins Innere der Werkstattschule.

Im Kreis der Lernreisenden verteile ich unseren in der Vorbereitung erstellten Beobachtungsbogen. Als Schulkontaktperson bin ich nervös, ob Frau Hentschel uns bereits im Atrium erwarten wird. Hoffentlich verläuft unser Hospitationsbesuch wie abgesprochen. Ein kurzer Zweifel, ob wir am richtigen Tag an der WiR sind, weil uns niemand im Atrium zu erwarten scheint.

Dann geht alles sehr schnell: Frau Hentschel begrüßt uns und bringt uns in den Grundschulbereich. Noch eben im Bus sitze ich nun hinten in einem Lernraum als Beobachterin. 

Und in diesem Moment fällt alles von mir ab: die Anspannung und Aufregung des Morgens, die Fülle der Erwartungen an die kommenden zwei Wochen und die Erschöpfung und Leere der letzten Tage vor der Abfahrt. 

Eine Woche vor Reisebeginn, als nichts mehr zu planen, sondern nur noch zu erleben war, fanden so viele letzte Absprachen und Vorbereitungen zum Crowdfunding, den Vorbereitungen zu den Schulkonzepten und der Organisation eines Ersatzhospitationsplatzes statt, dass ich bei der Abfahrt nicht mehr wusste, warum und mit welcher Frage ich auf Reise gehe.

Bis zu diesem Moment hatte ich das Gefühl, mich im Projekt etwas verloren zu haben. Alles gegeben zu haben – und jetzt brauche ich Inspiration. Und an diesem Morgen überfällt sie mich. 

Es prickelt in meinem ganzen Körper, als ich erahne, welche Haltung hinter diesem freundlichen, offenen Schulbau liegt, in welchem sich die Schüler- und Lehrerschaft zum Morgenkreis versammelt, um gemeinsam die Woche zu beginnen.

Es geht los. Und meine geschärften Sinne lechzen nach Eindrücken, die ich aufsaugen kann. Endlich!

August-Claas-Schule, Städt. Ganztagshauptschule, Harsewinkel - Schulprofil.

Harte  Fakten

Gründung

1991

Schultyp/-­form

Haupt- und Realschule auslaufend seit Sommer 2012 -> im Übergang zur Gesamtschule -> 2017 endgültige Zusammenlegung von Haupt- und Realschule und Gymnasium

Schüler_innenanzahl

230

Anzahl der Lehrkräfte (ggf. + weiteres Personal)

30 Lehrende

Besonderheiten

Die August-Claas-Schule hat ein fundiertes Beriufsvorbereitungsprogramm entwickelt. In Zusammenarbeit mit dem Seniorentreff des Mähdrescherherstellers Claas ist im Jahr 2007 die Außenwerkstatt der Schule entstanden. Hier arbeiten seither zehn ehrenamtliche pensionierte Rentner mit ca. 20 Schüler_innen des 9. Jahrgangs ein Mal pro Woche zusammen. In zehn Werkstätten (u.a. Tischlerei, Maler- und Lackiererei, KFZ-Werkstatt, Elektro- und Fahrradwerkstatt) lernen die Jugendlichen von ehemaligen Handwerkern.
Außerdem gibt es an der Schule einen "Übergangscoach". Diese begleitet die Schüler_innen beim Einstieg in den Beruf. Fast alle Schüler_innen kommen zu ihr in die freiwillige Beratung. Die als Übergangscoach tätige Person hält engen Kontakt zu vielen Arbeitgeber_innen der Region. Schon in der 9. Klasse sondiert sie die Berufswünsche und beginnt mit der Suche und bereitet die Jugendlichen auf Bewerbungsschreiben und -gespräche vor. Darüber hinaus begleitet sie die Jugendlichen auch noch über ihren Schulabschluss hinaus.

Der Besuch des Oberstufenkollegs Bielefeld. Ein Liveticker, nachträglich.

08:15 _ Treffen mit Gereon (einem der Lehrenden am Kolleg) in der Schule. Er sagt, dass wir pünktlich seien, zeige, dass wir die Schule noch nicht kennen. Hier ist außer uns noch niemand da.

08:20 _ Bis die Kollis (= Kollegiat_innen = Schüler_innen), die sich bereit erklärt haben, uns mit in ihren Unterricht zu nehmen, da sind, gibt Gereon uns eine kleine Einführung in die Schulgeschichte.

08:30 _ Ein paar unserer Kollis trudeln ein und nehmen uns mit in verschiedene Kurse wie Philosophie, Mathe oder Kunst.

08:43 _ Im Kunstunterricht rätselt man über die Bedeutung von Caspar David Friedrichs' Kreidefelsen auf Rügen. Goldener Schnitt inklusive.

08:57 _ SMS von Eva: "Ist jemand bei Hannah Arendt am Start? Mathe ist doof."

10:00 _ Der erste Unterrichtsblock ist vorbei. Wir warten wieder geduldig auf weitere Lernreisenden - Abholer am vereinbarten Treffpunkt.

10:20 _ Teilen uns erneut auf. Verschiedene Kurse finden nebeneinander, getrennt durch transparente Stellwände, statt. Die Atmosphäre ist locker, man dutzt sich und versteht wenn man will auch alles vom Deutschunterricht nebenan.

10:40 _ SMS von Eva: "Jo, wer ist bei was coolem am Start? Habe die Herde verloren. Aber mehrere kids haben mir angeboten, mit ihnen zu chillen."

11:03 _ Lara erlebt endlich einen Erfolgsmoment im Matheunterricht in der 13, denn sie merkt als einzige, dass bei aller Liebe zum exponentiellen Wachstum, die 5 Mio. Einwohner_innen Finnlands keine 7 Mio. Handys besitzen können. Stolz wie Oskar.

12:00 _ Die Kollis, die uns durch die Schule führen und uns das Gebäude erklären wollten, sind nicht gekommen, also spazieren wir auf eigene Faust durch die Gegend, nehmen die Atmosphäre auf und kommen mit Schüler_innen ins Gespräch.

13:20 _ Gereon, Manu und ca 20 Kollis treffen sich mit uns, um sich mit uns über ihre Schule zu unterhalten.

13:30 _ Wir entscheiden uns, uns aufzuteilen. Die eine Hälfte unserer Gruppe befragt Gereon und Manu zu Schulkonzept - und entwicklung, die andere Hälfte chillt sich mit den Kollis in die Sonne auf den Dachgarten und führt ein langes Gespräch darüber, wie sie das Leben an ihrer Schule empfinden, was Vor- und Nachteile sind und was sie von Lehrerinnen und Lehrern erwarten.

15:05 _ Die Terassengruppe beendet das Gespräch, hat aber ganz vergessen, sich vorzustellen. Wir holen eine Namensrunde nach und erzählen, was wir im echten Leben so machen. Erfahren selbst Neues über uns.

15:15 _ Die andere Gruppe kommt dazu, wir bedanken uns artig für die große Gastfreundschaft und laufen mit einzelnen Kollis ins Gespräch vertieft Richtung Ausgang.

15:30 _ Nick und Hanno, zwei Kollis, beeindrucken uns mit ihrer Reflektiertheit. "Wenn ich merke, dass ein Lehrer oder eine Lehrerin nicht mit mir lernt, sondern mir bloß was beibringen will, bin ich beleidigt." Stört es euch nicht, dass ihr als Schülerschaft keinen festen Rückzugsraum habt, sondern nur offene Räume? - "Wieso denn? Wir müssen uns doch nicht verstecken, haben nichts zu verbergen."

16:00 _ Wir ziehen unsere imaginären Hüte und haben das große Bedürfnis jetzt erstmal etwas Zeit alleine zu verbringen.

16:30 _ Mit Mühe und Not können wir Eva aus der Mensa loseisen, wo sie kaffeeschlürfend mit Kollis Backgammon spielt. (Das ist natürlich Quatsch. Sowas würde Eva niemals tun.)

 

 

Oberstufenkolleg, Bielefeld - Schulprofil.

Harte  Fakten

Gründung

1974

Schultyp/-­form

Versuchsschule NRW,  11. -­ 13. Klasse (Abitur), bereitet vor allem auf Hochschulübergang vor

Kollegiatinnenzahl

600 (200 pro Jahrgang).

Anzahl  der Lehrkräfte (ggf. + weiteres Personal)

84 Lehrende und 9 in Verwaltung

Merkmale des täglichen Lernens

Ganztagsschule 8:30 -­ 16 Uhr, Unterrichtseinheiten à 90 Minuten, Lernen auf offenen Unterrichtsflächen evtl. mehrerere Kurse gleichzeitig, ansonsten Fachräume, Labore, Hörsaal, eine Mediothek, usw. eine Tutorin für eine Gruppe von Kollegiationnen zur Beratung, Unterstützung, außerdem Laufbahnberaterinnen und Schulsozialarbeiterinnen

Besonderheiten

Intensive  Vorbereitung auf das wissenschaftliche Arbeiten an der Hochschule, Lehr- und Lernformen für den Übergang zur Hochschule entwickeln, erproben und evaluieren.

Genauere Erklärung des Schulkonzeptes

Der Umgang und die Auseinandersetzung mit Wissenschaft soll geübt werden.

Studierfähigkeit ist das Ergebnis eines Lernprozesse.

Als Versuchsschule: Zusammenarbeit und Kooperation mit Wissenschaftler_innen und Lehrer_innen.

Wie wird das umgesetzt?

Großes Fächerangebot und individuelle thematische Profilsetzung

Umgang mit unterschiedlichen Voraussetzungen:  bisher Versäumtes nachholen, Vorkenntnisse können zur Verkürzung der Ausbildungszeit führen.

Kooperation mit der Uni Bielefeld, Kurse dort können bereits während der Schulzeit besucht werden.

Der Besuch der Werkstattschule. Ein Liveticker, nachträglich.

07:40 _ Wir stehen müde vor der Werkstattschule, Schüler_innen laufen an uns vorbei Richtung Eingang, Eltern fahren ihre Kinder routiniert bis an die Schule, es herrscht eine geschäftige Atmosphäre und wir fragen uns, warum an der Uni keine Seminare zum Frühaufstehen angeboten werden.

07:45 _ Wir betreten die Aula. In dem offenen, freundlichen Atrium läuft irgendwo Musik, eine Bühne wird aufgebaut, Kinder rennen durch die Gegend.

07:55 _ Frau Henschel, die pädagogische Leiterin der Grundschule, klärt uns auf, dass es sich bei den Vorbereitungen um einen Morgenkreis mit der gesamten Schule, ausgenommen der Oberstufe, handelt.

08:00 _ Ein Teil unserer Gruppe schaut sich die Morgen-Veranstaltung der Stufen 1-8 in der Aula an, der andere Teil besucht das sogenannte Speeddating, bei dem Schüler_innen der 11 und 12 Jüngeren einen Einblick in die Oberstufe geben.

08:30 _ Der Unterricht startet. In Zweierteams oder alleine beobachten wir Lernsituationen von der Grundschule bis zur Oberstufe in verschiedenen Fächern.

10:00 _ Pause. Im lichtdurchfluteten, gemütlichen Lehrerzimmer ist ein großes Frühstück aufgebaut. Das sei nicht jeden Tag so, versichert man uns, heute feiere eine Kollegin Geburtstag, bei 50 Lehrer_innen käme dies aber gefühlt immerhin alle drei Tage vor. Wir freuen uns.

10:30 _ Frau Henschel, gibt uns eine Führung quer durch die Schule. Wir sehen alle wichtigen Räume und nehmen die Atmosphäre der Schule auf. Ein Drittklässler erzählt uns im Vorbeigehen einen Witz. (Was sagt ein Proton zum Elektron? - Sei nicht immer so negativ!)

12:00 _ Mittagessen in der Mensa. Essenswünsche waren im Vorfeld wohl nicht klar kommuniziert. Bent wusste nicht, dass er Veganer ist. Kartoffelpuffer mit Apfelmus für alle bis auf Julia, die kriegt Hühnchen.

12:45 _ Treffen mit dem pädagogischen Leitungsteam Frau Henschel und Frau Eggers, die geduldig alle unsere Fragen beantworten und sich netterweise dabei filmen lassen. Wir haben ein langes und aufschlussreiches Gespräch und sind beeindruckt.

14:30 _ Wir verabschieden uns von der Werkstattschule und versuchen vor dem Gebäude ein Gruppenfoto zu schießen. Die Sonne blendet sehr. Nach Begutachten des Fotos möchten wir die Lernreise 2015 umbenennen in „11 Kalkleisten auf großer Fahrt“.

15:00 _ Ab ans Meer.

 

Werkstattschule, Rostock.

Fakten

Gründung: 1998 aus einer Eltern- und Lehrerinitiative heraus.

Schultyp/-form: Integrierte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, Grundschule und Kindergarten / Europaschule

SchülerInnenzahl: 540 Kinder und Jugendliche in der Grundschule und in den Sekundarstufen I & II (zusätzlich 130 Kinder im Kindergarten)

Anzahl Lehrkräfte (ggf. + weiteres Personal): ca. 60 in Schule, Hort und Kindergarten

Merkmale des täglichen Lernens

Offene und gelenkte Formen des Unterrichts stehen in einem ausgewogenen und sinnstiftenden Verhältnis (zeitliche gebundene Freiarbeitskonzepte in 1-4, 5/6 und 7/8 mit 6-10 Wochenstunden, Freie Werkstätten in allen Altersstufen, themengebundene Werkstätten in allen Altersstufen, gebundener Fachunterricht in allen Jahrgängen)

Besonderheiten

altersgemischte Stammgruppen 5/6 , 7/8 und 9/10

2-4 wöchige Werkstätten zu fächerübergreifenden Großthemen die halbjährig stattfinden von der Grundschule bis zur 11.Klasse. (Während der Werkstattzeit wird in den U-Fächern fachspezifisch aber zum selben Thema gearbeitet/ Jede Werkstattzeit endet mit einer Projektwoche, in der sich die SuS spezifisch mit einem fachungebundenen Unterthema beschäftigen. Die Projektwoche endet mit einer großen Abschlusspräsentation.)

In der 12. Klasse schreiben die SuS in der „freien Werkstatt“ ihr Facharbeiten zu einem selbstgewählten Thema und werden dabei von externen Spezialisten unterstützt.

Entstehung der Schule/des Schulkonzeptes

Die staatlich anerkannte Schule in freier Trägerschaft gründete sich 1998 aus einer Eltern- und LehrerInneninitiative heraus. Seit 2004 trägt sie den Namen „Werkstattschule in Rostock“. Den nachhaltigen wirtschaftlichen Rahmen der Initiative bildet heute eine gemeinnützige Aktiengesellschaft (EuSiB gAG- Europäische Stiftung für innovative Bildung). LehrerInnen, MitarbeiterInnen und ein Teil der Eltern wirken als Aktionäre mit.

Genauere Erklärung des Schulkonzeptes

Das Konzept der Werkstattschule führt verschiedene Reformansätze von Schule zu einem ganzheitlichen Ansatz zusammen. Integrative Unterrichtsformen, Altersmischungen, Modelle für Individualisierung und Binnendifferenzierung, die Orientierung am Gemeinwesen Schule oder die Öffnung zur Umgebung innerhalb eines Ganztagsbetriebs stehen hier nicht vereinzelt nebeneinander, sondern entfalten in ihrer Summe neue Möglichkeiten für eine zeitgemäße Bildung und Erziehung.

Die Werkstattschule versteht sich als ein lebendiges Haus des Lernens, das von kultureller Toleranz und friedlichem Miteinander geprägt ist. Übergeordnetes Ziel der schulischen Arbeit ist es, die Schülerinnen und Schüler zu eigenverantwortlichem Lernen, solidarischem Handeln und sinnvollen Formen der Verständigung zu befähigen.

Quellen

http://www.werkstattschule-in-rostock.de/