Kopf-Herz-Hand

Der Kopf - Das Problem

Was stört uns an der Lehramtsausbildung?

  • An den meisten Universitäten haben Lehramtsstudierende keine wirkliche Anlaufstelle, keinen Ort, keinen Treffpunkt, kein Zentrum zur Vernetzung. Sie wandern zwischen den fachwissenschaftlichen Fakultäten hin und her und gehören nirgendwo so richtig dazu.
  • Viele Bachelorstudiengänge – insbesondere für Gymnasiale Lehrämter - sind als fachwissenschaftliche Studienprogramme mit einer „Lehramtsoption“ konzipiert. Viele Lehramtsstudierende verwenden nur einen Bruchteil ihrer Studienzeit im Bachelor mit der Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Schule und Lernen. Im Klartext: Obwohl das Lehramtsstudium auf eine konkrete praktische Tätigkeit abzielt, sind oft schon die ersten 3 Jahre vergangen, ohne dass systematisch auf das Lehrersein vorbereitet wurde.
  • Die ohnehin schon knapp bemessene Zeit, in der sich Lehramtsstudierende mit bildungstheoretischen, schulpädagogischen, unterrichtspraktischen und lernpsychologischen Fragestellungen beschäftigen, lässt es nicht zu in diesen wichtigen Themenfeldern wirklich in die Tiefe zu gehen. Vieles bleibt grundsätzlich, abstrakt, theoretisch, ist wenig praxisorientiert und kratzt nur an der Oberfläche.
  • Demgegenüber steht ein großer zeitlicher Aufwand für explizit fachtheoretische Auseinandersetzungen, von denen Einige für die Lebensrealität von Lehrer_innen wenig relevant sind.
  • Wir bemängeln also sowohl eine dramatische Unterversorgung mit Praxiserfahrungen während des Studiums, als auch bisweilen falsche inhaltliche Schwerpunktsetzungen. Viele Themen, die nach unserer Ansicht wichtig wären, werden gar nicht behandelt. Wir vermissen konkrete Inhalte und die systematische Ausbildung personaler Kompetenzen.

  • Die bestehende Art Schule zu gestalten wird in der Ausbildung unzureichend in Frage gestellt. Eine Lehramtsausbildung, in der nicht unterschiedliche Konzepte (auch mit internationaler Perspektive) verglichen und hinsichtlich ihres Erfolges evaluiert werden, wird einem wissenschaftlichen Anspruch nicht gerecht.

 

Das Herz - Die Vision

Wie könnte eine zeitgemäße Lehramtsausbildung aussehen?

  • Der Name deutet es bereits an -  am Ende einer Lehramtsausbildung steht ein konkreter praktischer Beruf. Auf genau diesen sollte konsequenter vorbereitet werden. Unterschiedliche Studien, wie zuletzt die vieldiskutierte "Hattie-Studie", haben es bestätigt: Gutes Lehrerhandeln ist lernbar. Wie Lehrende handeln, hat Konsequenzen.
  • Die Aufgabe der Ausbildungsstätte muss es sein, den angehenden Lehrkräften Raum zu geben, sich selbst in ihrer angestrebten Rolle auszutesten, zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Das bedeutet auch regelmäßige Praxiseinheiten von Anfang an. Pädagogische, didaktische und lernpsychologische Theorien bekommen durch die Verknüpfung und Reflexion mit eigenen Erfahrungen einen höheren Wert für die Lernenden.
  • Ganz im Sinne einer Uni-Klinik böten bspw. Uni-Schulen – also Schulen direkt auf dem Campus – die Möglichkeit, jederzeit Schule zu erleben, an ihr zu forschen und Rückmeldungen der Schülerschaft sofort in die Ausbildung zu integrieren. Der Dialog mit Schüler_innen als den Expert_innen für ihr Lernen, muss gefördert und eine Selbstverständlichkeit im Rahmen der Lehramtsausbildung werden. Vielleicht wäre eine Lehramtsausbildung im Sinne eines dualen Studiums angebrachter.
  • Es ist nicht sicher, wie Schule in fünf oder vielleicht zehn Jahren gestaltet wird. Die Rolle des Lehrenden wird jedoch nicht in erster Linie die eines Wissensvermittlers sein. Fragen, die man mit einer 5-minütigen Internet-Recherche beantworten kann, werden einfach keine guten Fragen mehr sein. Stattdessen werden sich Lehrende zu Experten für Lernprozesse entwickeln. Deshalb braucht es eine stärkere Orientierung an Menschen und an komplexen Problemstellungen und weniger am „Stoff“. Kompetenzen wie die Fähigkeit zur Potenzialentwicklung, Konfliktbewältigung und schülerorientierter, lernpsychologisch begründeter Methodeneinsatz gehören in das Repertoire jeder zukünftigen Lehrperson.
  • Viele angehende Lehrer_innen kennen nur einen, nämlich ihren eigenen, Schulhintergrund. Um die oft fehlende Vorstellungskraft für andere Schulkonzepte freizusetzen, braucht es eine systematische Auseinandersetzung mit den besten Schulen – national und international. Jährliche mehrwöchige Hospitationen würden Horizonte erweitern und einen ideologiefreieren Umgang mit verschiedenen Schultypen ermöglichen.

 

Die Hand - Das Machen

Wie will kreidestaub zur Lösung des Problems beitragen?

  • Nach unserer Beobachtung gibt es an jeder Universität Lehramtsstudierende, die insgeheim ahnen, dass es viel besser gehen muss. Für diese sind wir erst einmal eine Anlaufstelle. Wir signalisieren: Du bist nicht allein mit deiner Unzufriedenheit. Wir wollen alle ansprechen, die ihre Zukunft in der Schule sehen und sind deshalb auch für Studierende anderer Fachrichtungen, Referendar_innen und andere Bildungsinteressierte da.
  • Wir sind nicht an eine bestimmte Universität gebunden. Unser Ziel ist es, überregional Menschen zu vernetzen, die sich für eine zukunftsfähige Schulpraxis einsetzen. Lehramtsstudierende, die mehr wollen! Bei uns kann jede_r mitmachen! Auch Studierende anderer Fachrichtungen oder Menschen aus der Praxis sind herzlich willkommen. Zusammen wollen wir Projekte initiieren, die alleine nicht möglich wären und Menschen zusammenbringen, die sich sonst nicht treffen würden.
  • Wir wollen aufklären: Auf unserer Facebookseite „posten“ wir hochwertige Inhalte über Bildungsinnovationen und konkrete, erfolgreiche Schulpraxis. Von Videos, Vorträgen bis hin zu kompletten Studien.

Das Motto ist: Die Dinge, die wir im Studium vermissen, organisieren wir uns selbst!

  • Mittelfristig organisieren wir lokale Treffen, inhaltsbezogene Diskussionskreise, Schulhospitationen, eigene Workshops und Ausflüge zu Podiumsveranstaltungen und Kongressen.
  • Ein großes Projekt von uns war die Bildungsreise im Herbst 2013. Vollkommen selbstorganisiert haben wir uns auf einen Roadtrip durch Deutschland begeben. Von einer innovativen Schule zur Nächsten. Wir wollten erforschen, wie das Lernen an diesen Schulen initiiert wird und welche Anforderungen die unterschiedlichen Konzepte an die Lehrpersonen stellen.
  • Kreidestaub ist weniger eine geschlossene Gruppe, als vielmehr eine Haltung. Wir möchten Andere inspirieren ebenfalls aus sich heraus aktiv zu werden. Unser Ziel ist es, dass Menschen, die sich mit dem Status Quo nicht zufrieden geben möchten über den Tellerrand ihrer Universität hinaus aktiv werden.